Weg des Tantra


Theoretische Hintergründe – Was ist Tantra?

Das Wort Tantra bedeutet „ausdehnen“, „weben“, „Gewebe“, es beschreibt einen fortlaufenden Prozeß, ein System, eine Lehre und kommt aus dem alten Indien. Im tantrischen Schöpfungsmythos der Welt vereinigt sich Shiva, die Gottheit des reinen Bewußtseins, sexuell mit Shakti, der Göttin der reinen Lebensenergie. So gebären sie die Welt – Bewußtheit und Energie in sexueller Vereinigung. Tantra hebt die Dualität auf – aus zwei wird eins in der sexuellen Vereinigung und es kann etwas Neues entstehen. Sexualität ist im Tantra etwas „Heiliges“. „Heilig“ kommt von „heil“ und bedeutet „ganz“. Durch die sexuelle Vereinigung wird man „ganz“ also „eins“ und in Ekstase wird man Teil des göttlichen Schöpfungsprozesses. Tantra betrachtet das Leben als fortlaufenden Schöpfungsakt. Tantra ist ein universelles Prinzip. Es umfaßt alles und feiert das Leben, die Spiritualität und die Sinnlichkeit. Das Ziel ist Erleuchtung. Es ist keine Religion, sondern spirituelle Praxis, ein spiritueller Weg der Selbsterkenntnis. Wenn ich von „Tantra“ spreche meine ich das heute in der westlichen Welt verbreitete „Neo-Tantra“. Es ist auf die heutige Lebenswirklichkeit der westlichen Menschen angepaßt und vereinigt in sich verschiedene Strömungen aus Sexualwissenschaft, Psychotherapie, Meditation, Schamanismus, Yoga und Körperarbeit auf Basis spiritueller und tantrischer Philosophien. Die tantrische Energielehre unterscheidet die sexuelle Energie in die Polaritäten Yin (-) und Yang (+). Jeder Mensch hat einen eigenen Energiekreislauf im Körper. Jeder Mensch hat aber auch eine eigene Energiesignatur, ein natürliches Verhältnis dieser verschiedenen Energieanteile in sich. Die Anziehung der Menschen untereinander beruht auf diesen bioelektrischen Energieanteilen – jeder Mensch ist bestrebt „ganz“ zu werden und sucht sein fehlendes „Energiepuzzlestück“. Dies ist die Basis sexueller Anziehung – man spürt es, wenn es zwischen zwei Menschen „knistert“, wenn zwischen zwei Menschen „die Funken sprühen“. Durch die sexuelle Vereinigung wird man „eins“, wird Lust und Ekstase erlebt.

Der selbsterkenntliche Focus liegt auf Themen wie Bewußtheit, Körperlichkeit, erotische Sinnlichkeit, Selbstliebe, Achtsamkeit, Liebe, Herzöffnung, Freude, Freiheit, Leichtigkeit, Spaß etc. Ich fasse sie unter dem Begriff „Lichtthemen“ zusammen. Ziel ist es bewußter über sich zu werden und damit auch über sein Gegenüber, mit sich ins Reine zu kommen und seine innere Mitte zu finden, sich von der eigenen Bedürftigkeit zur Fülle zu entwickeln, sich dem Leben hinzugeben und sich in der Begegnung mit seinem Gegenüber zu verschenken, um eine größere Lust und Ekstase erfahren zu können (im Idealfall wenn dies beide so tun). „Erwachsene Kinder“ finden hier eine tolle Möglichkeit sich selbst und ihren Körper bewußt im Austausch mit einem Gegenüber zu erfahren.